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Naturkosmetik

Was ist Naturkosmetik? Begriffe, Siegel und Grenzen

Naturkosmetik ist kein geschützter Begriff. Was dahintersteckt, was Siegel grundsätzlich regeln und warum natürlich nicht automatisch verträglich heißt.

  • 4 Minuten Lesezeit
  • Redaktion biokosmetikworld.de
Rosa Sonnenhutblüten auf einer Wiese
In diesem Beitrag
  1. Kein geschützter Begriff
  2. Was Siegel grundsätzlich regeln
  3. Naturkosmetik, naturnah, Biokosmetik
  4. Natürlich heißt nicht automatisch verträglich
  5. Woran du dich beim Kauf orientieren kannst
  6. Grenzen der Naturkosmetik
  7. Häufige Fragen

Naturkosmetik steht für Pflege mit Rohstoffen aus der Natur. Was genau dazugehört, ist aber nirgends verbindlich festgelegt. Wer bewusst auswählen will, sollte deshalb wissen, was der Begriff leistet und was nicht.

Kein geschützter Begriff

Für Kosmetik gilt in der EU ein gemeinsames Kosmetikrecht. Es regelt Sicherheit, Kennzeichnung und verbotene Stoffe für alle Produkte, egal ob konventionell oder natürlich. Eine gesetzliche Definition von Naturkosmetik enthält es nicht.

Das hat Folgen: Ein Hersteller darf ein Produkt als natürlich bewerben, auch wenn nur ein kleiner Teil der Rezeptur pflanzlichen Ursprungs ist. Umgekehrt gibt es viele Produkte, die strenge Kriterien erfüllen. Von außen lässt sich das ohne Siegel und Zutatenliste kaum unterscheiden.

Was Siegel grundsätzlich regeln

Weil das Gesetz die Lücke lässt, haben private Organisationen eigene Standards entwickelt. Hersteller lassen ihre Produkte freiwillig prüfen und dürfen dann das jeweilige Siegel tragen. Die Standards unterscheiden sich im Detail, drehen sich aber meist um dieselben Fragen:

  • Herkunft der Rohstoffe: Welche Zutaten müssen pflanzlich, mineralisch oder tierisch (etwa Bienenwachs) sein?
  • Verarbeitung: Welche Herstellungsverfahren sind erlaubt, welche chemischen Veränderungen nicht?
  • Ausgeschlossene Stoffgruppen: Häufig betrifft das zum Beispiel Rohstoffe auf Mineralölbasis, Silikone oder synthetische Duft- und Farbstoffe.
  • Bio-Anteil: Manche Standards unterscheiden zwischen Naturkosmetik und Biokosmetik und verlangen für die zweite Stufe einen Mindestanteil aus kontrolliert biologischem Anbau.
  • Kontrolle: Eine unabhängige Stelle prüft Rezepturen und oft auch die Produktion.

Welche Schwellenwerte ein bestimmtes Siegel verlangt, steht in den öffentlich einsehbaren Kriterien der jeweiligen Organisation. Wenn dir ein Punkt besonders wichtig ist, lohnt sich der Blick dorthin.

Naturkosmetik, naturnah, Biokosmetik

Im Handel begegnen dir mehrere Begriffe, die ähnlich klingen:

Begriff Was meist gemeint ist
Zertifizierte Naturkosmetik Produkt erfüllt den Standard eines Siegels und wurde unabhängig geprüft.
Biokosmetik Naturkosmetik mit einem Mindestanteil an Rohstoffen aus biologischem Anbau, je nach Standard.
Naturnahe Kosmetik Enthält pflanzliche Wirkstoffe, verzichtet oft auf einzelne Stoffgruppen, ist aber nicht zertifiziert.
Vegane Kosmetik Ohne tierische Bestandteile. Das sagt nichts darüber, ob die Rezeptur natürlich ist.

Kein Begriff ist dabei automatisch besser. Ein naturnahes Produkt mit übersichtlicher Rezeptur kann zu dir besser passen als ein zertifiziertes mit vielen Duftstoffen.

Natürlich heißt nicht automatisch verträglich

Das ist der häufigste Irrtum rund um Naturkosmetik. Pflanzen bilden viele ihrer Inhaltsstoffe, um sich gegen Fressfeinde und Keime zu wehren. Auf der Haut können diese Stoffe pflegen, aber auch reizen.

Besonders ätherische Öle enthalten Bestandteile, die als Kontaktallergene bekannt sind. Einige davon müssen deshalb ab einer bestimmten Menge einzeln auf der Verpackung stehen, zum Beispiel Linalool oder Limonene. Auch Extrakte aus Korbblütlern wie Kamille oder Arnika lösen bei manchen Menschen Reaktionen aus. Mehr dazu liest du im Beitrag über Pflanzenextrakte in Kosmetik.

Wenn du empfindliche Haut hast oder zu Allergien neigst, wähle Produkte ohne Duftstoffe und teste Neues zuerst an einer kleinen Stelle. Bei anhaltenden Rötungen, Juckreiz oder Ekzemen ist eine dermatologische Abklärung sinnvoller als weiteres Ausprobieren.

Kurz gesagt: Naturkosmetik ist kein geschützter Begriff. Siegel geben Orientierung zur Herkunft und Verarbeitung der Rohstoffe, aber sie sagen nichts darüber, ob deine Haut ein Produkt verträgt.

Woran du dich beim Kauf orientieren kannst

Drei Dinge helfen mehr als jede Werbeaussage:

  1. Siegel prüfen. Ein Siegel einer unabhängigen Zertifizierung ist aussagekräftiger als Wörter wie pur, grün oder botanisch.
  2. Zutatenliste lesen. Die INCI-Liste zeigt, was wirklich enthalten ist und in welcher Reihenfolge. Wie das geht, erklärt der Ratgeber INCI-Liste lesen.
  3. Eigene Haut ernst nehmen. Was du gut verträgst, ist für dich das richtige Produkt, unabhängig von der Kategorie.

Grenzen der Naturkosmetik

Naturkosmetik kann vieles, aber nicht alles. Einige Punkte solltest du realistisch einschätzen:

  • Haltbarkeit: Pflanzliche Öle werden mit der Zeit ranzig. Geöffnete Produkte solltest du zügig aufbrauchen und nicht in der Sonne lagern.
  • Textur und Duft: Ohne Silikone fühlen sich manche Cremes reichhaltiger an. Der Eigengeruch pflanzlicher Rohstoffe ist nicht jedermanns Sache.
  • Wirkversprechen: Auch Naturkosmetik ist Kosmetik. Sie pflegt die Haut, behandelt aber keine Hauterkrankungen.
  • Synthetisch ist nicht gleich schlecht: Manche im Labor hergestellten Stoffe sind gut untersucht und sehr verträglich. Die Herkunft allein sagt wenig über das Risiko.

Wenn du deine Pflege nach und nach umstellen möchtest, findest du eine Anleitung im Beitrag Auf Naturkosmetik umstellen.

Häufige Fragen

Ist Naturkosmetik ein geschützter Begriff?

Nein. Es gibt keine einheitliche gesetzliche Definition. Hersteller können den Begriff verwenden, ohne einen bestimmten Standard zu erfüllen. Orientierung geben Siegel privater Organisationen und der Blick auf die INCI-Liste.

Ist Naturkosmetik besser verträglich?

Nicht automatisch. Ätherische Öle und Pflanzenextrakte gehören zu den häufigen Auslösern von Kontaktallergien. Ob ein Produkt zu dir passt, hängt von deiner Haut und der konkreten Rezeptur ab.

Kommt Naturkosmetik ohne Konservierung aus?

Produkte mit Wasseranteil müssen vor Keimen geschützt werden, auch in der Naturkosmetik. Die Standards lassen dafür meist nur eine begrenzte Auswahl an Stoffen zu. Wasserfreie Produkte wie Öle oder Balsame brauchen oft keine Konservierung.

Woran erkenne ich echte Naturkosmetik?

An einem Siegel einer unabhängigen Zertifizierung und an der Zutatenliste. Grüne Verpackungen und Pflanzenbilder sagen über die Rezeptur nichts aus.

Dieser Beitrag informiert allgemein über Kosmetik und Pflege und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Bei anhaltenden Beschwerden an Haut oder Augen wende dich bitte an eine ärztliche Praxis.